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Kleine Geschichte der Zahnheilkunde

 

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Dass wir zum Zähneputzen eine Zahnbürste mit Zahncreme benutzen und bei Zahnschmerzen zum Zahnarzt gehen, scheint uns heute selbstverständlich. Doch was machte man früher bei Zahnschmerzen und wie reinigten sich unsere Vorfahren die Zähne?

Das Bedürfnis nach gesunden Zähnen

Das Bedürfnis nach gesunden Zähnen gibt es vermutlich solange es Zahnschmerzen gibt. Schmerzen, die am Kopf auftreten, empfinden wir intensiver als Schmerzen, die z.B. an den Füßen vorkommen. Vielleicht haben deswegen Zahnschmerzen schon sehr früh dazu geführt, dass Menschen Zahnbehandlungen und eine Kultur der Zahnhygiene entwickelten.

Frühe Zahnoperationen

Den ältesten Beleg für eine zahnmedizinische Behandlung finden wir bei einem 14.000 Jahre alten Skelett, das in einer norditalienischen Höhle gefunden wurde. Ein Loch im Backenzahn wurde vermutlich mit einer Steinklinge bearbeitet und eventuell mit einer Füllung versehen. Kein Einzelfall, denn auch in Dänemark wurde ein Backenzahn aus der Jungsteinzeit gefunden, der vermutlich zum Zweck einer Wurzelbehandlung aufgebohrt wurde. Auch Im heutigen Pakistan fand man Erstaunliches. Löcher im Zahn sind präzise aufgebohrt worden. In Slowenien fand man einen Backenzahn ca. 4500 v.Chr. mit einer Füllung aus Bienenwachs verstehen war.

Operationen ohne Betäubung?

Man mag sich fragen, wie die Menschen mit Schmerzen umgegangen sind, die eine solche Operation mit sich bringt. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass bestimmte Narkotika dabei zur Anwendung gekommen sind. Seit der Antike kannte man z.B. die narkotische Wirkung von morphinhaltigem Mohn, aber auch Alraune, Bilsenkraut und Wasserschierling wurden zur  Schmerzbehandlung eingesetzt.

Meister der Zahnheilkunde – Die Etrusker

Die ersten künstlichen Gebisse der Menschheit schreibt man den Etruskern zu, einer Hochkultur, die ihre Blütezeit zwischen dem 8.-und 1. Jahrhundert v.Chr. in Mittelitalien erlebte. Sie verwendeten Prothesen mit mehreren Zähnen, die über Golddrähte miteinander verbunden waren. Heutigem Zahnersatz ähnlich konnten auch diese Prothesen mithilfe von Klammern im Mundraum fixiert werden.

Die erste Zahnbürste und Zahnputzhölzer

Die erste Zahnbürste stammt vermutlich aus dem 16. Jahrhundert. Hierbei handelt es sich um Stäbe aus Knochen, an deren Ende Schweineborsten befestigt waren. Aber bereits seit dem Altertum nutzten die Menschen sogenannte Zahnputzhölzer, wie den indischen Miswak, der in unserer Sprache als Zahnbürstenbaum bekannt ist. Am oberen Ende eines Zweiges wird die Rinde entfernt und der Zweig anschließend an dieser Stelle gekaut. Neben Putzkörpern enthält er desinfizierende Stoffe und sogar Fluoride. Das sieht dem Gebrauch einer Zahnbürste schon sehr ähnlich. Zusätzlich wurden reinigende Stoffe wie Asche, Ingwer, Pfeffer oder Kurkuma aufgetragen, die in dieser Form der heutigen Zahnpasta vorrausgingen.

Zahnheilkunde im Mittelalter

Aber erst im 19.Jahrhundert kommt es zu einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Zahnheilkunde, die in dem mündete, was wir heute bei einem Zahnarztbesuch erleben. Vorher glaubte man lange an den sogenannten Zahn-Wurm, der Löcher in den Zahn frisst. Und an die Stelle der heilenden etruskischen Zahnbehandlungen ist das Entfernen der Zähne und die plumpe Zerstörung infizierten Gewebes getreten. Das Ziehen der Zähne wurde zu dieser Zeit nicht von ausgebildeten Zahnärzten, sondern von Handwerkern vorgenommen. Natürlich gibt es auch typische Geschichten mittelalterlichen Wander-Heiler, die sich als „Zahnreißer“ oder „Zahnbrecher“ bezeichneten und denen die Gesundheit ihrer Patienten nicht immer oberstes Gebot war. Mit Zangen, Seilen, Schnaps und Holzhämmern machten sie sich daran, die Leiden ihrer Zeitgenossen zu lindern. Extreme Zahnschmerzen kurierte man zu dieser Zeit mit einem Brenneisen, mit dem entzündetes Gewebe einfach weggebrannt wurde.

Die gute, alte Zahnbürste

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Heute gibt es akademisch ausgebildete Zahnärzte, verlässliche und gezielt eingesetzte Narkotika, ein ganzes Arsenal an Spezialwerkzeugen für die erfahrenen zahnärztlichen Hände, Zahnpasta in den unterschiedlichsten Ausführungen und die gute, alte Zahnbürste.

 

Foto: fotolia © Aris Suwanmalee